Die Aussagen der Safe-School-Initiative werden weitest gehend gestützt bzw. bestärkt und fast in keinen Fall eingeschränkt, siehe dort.
Informationen über potentielle Täter
Über Vorbereitungen einer Amoktat erhalten am ehesten Eltern, Lehrer und Mitschüler bzw. die peer group Informationen, deshalb muss auch hier ein Schwerpunkt in der Prävention liegen. In 93% der Fälle hatte sich bereits das soziale Umfeld des Täters (auch Eltern und Lehrer) im Vorfeld der Tat bereits ernsthafte Sorgen um den Jugendlichen gemacht. Wichtig wäre das Abschöpfung des Wissens von peer groups. Das Leaking erfolgt heute häufig im Internet, via YouTube, aber auch in MySpace-Profilen, am häufigsten jedoch in Communitys, z. B. Lokalisten, SchuelerVZ usw. oder lokalen Communitys. Geschlossene Benutzergruppen stellen ein besonderes Problem dar, denn die Betreiber solcher Netzwerke sind nur verpflichtet, veröffentlichte Beiträge auf Rechtsverstöße hin zu überprüfen, sie sind aber kaum in der Lage, geschlossene Usergroups auch noch zu überwachen, das gilt natürlich erst recht für den Bereich der private messages, die natürlich nah an ein Telefonat heran kommen und gar nicht überwacht werden dürfen.
Charakter der Taten
Da es sich in der Regel um lange geplante und oft gut vorbereitete Taten handelt, die Endpunkt einer langen Entwicklung sind, also nicht impulsiv oder zusammenhanglos erfolgen, sollte man wissen, dass die Täter sukzessive in einen sehr eingeengten Bewusstseinszustand hineinrutschen. Diese Situation wird in vielen Fällen als ausweglos empfunden. Es handelt sich um ein Abgleiten aus der Hauptrealität in eine Nebenrealität. Dieser Zustand ist ausschließlich auf ein zerstörerisches Ziel ausgerichtet, wobei – insbesondere während der Tat – jegliches Mitgefühl ausgeschaltet zu sein scheint.
Motivation der Täter
Die Motivlage der Amokläufer wird von ihnen zumindest für sich selbst als nachvollziehbar dargestellt. Hierbei wird z. B. ein übersteigertes Rechtsempfinden, eine vorangestellte Rechtfertigung oder Schuldzuweisung häufig deutlich. Je genauer erkennbar und je nachvollziehbarer die Motivation ist, desto höher ist häufig das Risiko, das von diesen Personen ausgeht. (Bosse, Kim Veer, Auvinen, Cho Seung Hui)
Profile der Täter
Die Täter weisen kein einheitliches demographisches Profil auf und stammen nur selten aus „kaputten Elternhäusern“. Sie haben selten erkennbare schwere psychische Störungen und sind nicht ausschließlich sozial isolierte Einzelgänger. Die Geschwister sind meist unauffällig. Wenn es sich um Einzelgänger handelt, dann ist dennoch mit einem Kontakt zu anderen Einzelgängern zu rechnen. Aus der Sicht der Psychologie handelt es sich um a) wahnhaft-schizophrene; b) schamhaft-depressive und c) narzisstisch-persönlichkeitsgestörte Täter. Die letztere Gruppe ist die häufigste und gefährlichste. Bei solchen Personen sollte man keinesfalls mit Programmen wie „Kinder stark machen!“ beginnen, denn als „stark“ empfinden sie sich bereits durchaus. (Vgl. dazu die Texte von Bosse, Kim Veer, Auvinen, Cho Seung Hui)
Nicht nachweisbar in den Profilen sind übermäßiger Alkohol- und Drogenkonsum, schlechte Schulleistungen oder polizeibekannte Normverstöße. Auch die Ego-Shooter-Spiele werden überschätzt: Häufig steht ein extensiver Konsum von gewalttätigen Filmen (27%) gewalttätigen Spielen (12%) gegenüber.1
Die Täter wirken meist freundlich zurückhaltend, sind jedoch verletzlich und introvertiert.
Dieser Text ist eine Zusammenfassung von Dokumenten, die dem Autor vorliegen. Sie geben also nicht seine Meinung wieder und stellen auch nicht eigene Erkenntnisse dar. Der Text wurde von den Sprechern von KIBBS abgenommen.
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Zu (1): M. E. wird in der Forschung zu wenig darauf eingegangen, was die Täter lesen und welche Musik sie hören.
Betrachtet man den Amoklauf einmal als Inszenierung eines multimediales Gesamtkunstwerks im Sinne Richard Wagners, dann fallen einem durchaus Parallelen auf. Die Lektüreliste von Pekka-Eric Auvinen (Fahrenheit 451 (Bradbury), 1984 (Orwell), Brave New World (Huxley), The Republic (Plato), all works of Nietzsche) ist durchaus bemerkenswert.
Bosse, Kim Veer, Auvinen unterlegen ihre Ankündigungsfilme gerne mit Metal-Music, deren Texte absolut fragwürdig bis gewaltverherrlichend sind. „Stray bullet“ von KMFDM wurde von Eric & Dylan gehört („The shifts in this short text are comparable, in their complexity if not in their momentum, to the shifts in the collage of KMFDM songs that Eric put on his website, and which I've described in From Absolute Other to Eric and Dylan.”) und ist der Soundtrack zu Auvinens Ankündigungsvideo.
„A tout le monde ... these are the last words, I ever speak“ von Megadeath scheint eine kanadische „Hymne“ zu sein und erschien Kim Veer passend. „Die Motherfucker Die“ wird von Irakkriegsbefürwortern wie –gegnern gerne unter ihre Videos gelegt, aber eben auch von Bosse verwendet.
Damit will ich auf keinen Fall zu Umkehrschlüssen auffordern: Die meisten Metal-Fans sind weder gefährlich noch gewalttätig. Tatsache aber bleibt, dass gerne dieselben Titel bzw. Bands von den späteren Tätern zitiert werden bzw. wenigstens zu den „Lieblingsbands“ gehören: Marylin Manson, KMFDM, Rammstein, Eisbrecher, Nine Inch Nails, Grendel, Impaled Nazarene, Macabre, Deathstars, The Prodigy, Combichrist, Godsmack, Slayer, Children Of Bodom, Alice Cooper, Sturmgeist, Suicide Commando, Hatebreed, Suffocation, Terrorizer – das sind die Namen, die doch immer wieder auftauchen.
Dass auf den Seiten mancher problematischer Jugendlichen Böhse Onkelz und die Ärzte in einem Atemzug genannt werden, lässt darauf schließen, dass es hier nicht um Rechts oder Links geht, sondern nur um das gemeinsame Dritte, den Tabubruch: Aufbau einer „Nebenrealität“, siehe oben.
Hans-Georg Haehnel

